Das "Senderdreieck" - Gemeinde Heusweiler
Mittelwellensender Heusweiler
Gebaut für das 1. Programm des saarländischen Rundfunks, auch bekannt als "SR1 - Europawelle Saar", lieferte er zu seinen besten Zeiten 1,2 MW an die Antenne, ist jedoch heute an Deutschlandfunk vermietet und läuft "nur noch" mit 600kW, auf der Frequenz 1422 kHz. Es ist meineswissens der leistungsstärkste Mittelwellensender der ARD.
Zu SR1-Zeiten war er in ganz Europa zumindest abends zu hören, wobei es wohl auch beabsichtigt war, unsere "Freunde" (hier bin ich jetzt zum räuspern verpflichtet) in der DDR zu versorgen. Radios aus einem bestimmten Zeitraum von bestimmten Herstellern haben eine "goldene Taste", um schnell auf die Europawelle abzustimmen.
Der Sender bringt jedoch nicht nur den Programminhalt zu den willigen Hörern:
Mit dem Kühlwasser wird ein Schwimmbad auf der gegenüberliegenden Straßenseite beheizt. Seit Deutschlandfunks Leistungsreduzierung, und vor allem durch die dynamische Trägerleistungsanpassung durch modulationsabhängige Regelung des Schaltnetzteils, ist das Wasser dort leider nicht mehr so warm.
In den nahegelegenen Wohngebieten am Sender wird die Gartenlaubenbeleuchtung von der HF gespeist ( mutwillig, illegal) .
Und es gibt höllische Funktionsstörungen bei Geräten der Kommunikations- und Unterhaltungselektronik, insbesondere natürlich unerwünschten Empfang aber auch Fehlsteuerungen.
Weniger als 100m von der Antenne führt die Autobahn A8 vorbei, wegen Problemen mit früher Motorelektronik ist ein Abschirmnetz darüber gespannt.
Erfahrene Entstörer sind zu finden bei den örtlichen Radio-Fernsehtechnikern, und bei der DTAG Entstörung in Saarbrücken falls es ums Telefon geht.
Zukunftsausblick: Die Antenne wurde mit einer Art Reuse in den vergangenenen Jahren breitbandiger gemacht. DRM, ick hör dir trapsen :-)
Antenne: 2-Element mit schönem Erdnetz, Mastenhöhe etwa 120m. Baujahr 1965. Auf der anderen Seite der Autobahn steht noch ein Reservesendemast.
Gegen Ende meiner Berufsausbildung hatte ich die Gelegenheit, den Sender zu besichtigen, jedoch leider keinen Fotoapparat dabei.
Eindrucksvoll war der Kühlaufwand und zwei Versuche:
- Leuchtstoffröhre in Sendernähe in der Hand hochhalten (zündet+leuchtet)
- An Pardunenisolation mit Schaufel Lichtbogen zünden und "Kohleschippenradio" hören. Beides lustig, aber nicht zur Nachahmung empfohlen :-)
Seit einer Weile wird auch ein deutsch-französisches Programm in Zusammenarbeit von RFI, SR und SWR ausgestrahlt: Antenne Saar auf 1179 kHz mit 10 kW.
Europawelle:

Auschnittsvergrößerung, fotografiert vom Standort Schoksberg. Außer den beiden Masten der Hauptantenne zu sehen rechts davon die Sekundärantenne, sowie die Tragemasten des Abschirmnetzes über der Autobahn.

Die "Europawelle" im Sonnenuntergang... hach :-)

Europawelle aus anderer Blickrichtung (tnx Sandra!)